Umgang mit Konflikten in der Teamzusammenarbeit

Gute Teamarbeit – Süßes oder Saures? Wie bereichern Ärger und Konflikte unsere Arbeit?

„Ich glaube, dass Ärger selbst gar nicht das Problem in Beziehungen ist. Es geht vielmehr um die Art wie wir unser Nicht-Haben-Wollen kommunizieren. Können wir den Ärger respektvoll übermitteln und keinen Machtkampf damit verbinden, dann hat die Beziehung eine Chance, sich durch das Lösen von Konflikten zu vertiefen. Am Arbeitsplatz, in der Schule, im Sport oder in der Arbeit mit Gruppen wissen wir die reinigende Wirkung des Ärgers wohl zu schätzen. Überall wo wir eine Kontinuität und Vertiefung von Beziehungen suchen, braucht dieses schwierige Gefühl Raum und Aufmerksamkeit. Die Absicht, der Kontext, der Tonfall, in dem wir uns äußern, entscheidet. Je erregter man ist, desto unsicherer wird der Boden. Man sollte sich deshalb auch vergewissern, ob die andere Partei  überhaupt zum Zuhören bereit ist. Zu einer Konfliktlösung braucht es die Bereitschaft beider Parteien.“

Marie Mannschatz

Ärger nüchtern betrachtet: eine Diskrepanz zwischen dem  Wünschen und dem Bekommen?

Die Therapeutin und Meditationslehrerin Marie Mannschatz gibt an dieser Stelle einige entscheidende Hinweise zum Umgang mit Ärger. Ärger gehört tatsächlich zum Zusammenleben mit anderen Menschen, in ganz normalen Zusammenhängen: bei der Arbeit, beim Sport, in der Familie. Ärger ist an sich oft nur die Folge eines gemeinsam geschaffenen „Problem.“ Nüchtern betrachtet liegt ihm oft einfach eine Diskrepanz zugrunde, nämlich zwischen dem, was die Beteiligten sich wünschen und dem, was sie dann wirklich bekommen. Die Frage ist allerdings, was machen wir aus dieser Diskrepanz? Nehmen wir sie wahr und machen das Beste daraus? Versuchen wir es noch einmal und machen vielleicht Kompromisse? Können wir ehrlich und ohne zu verletzen sagen, was wir gerne möchten oder fällt uns das schwer, weil wir häufig schon die ablehnende Antwort der Anderen vorwegnehmen?

Aktivierung früherer Erfahrungen…

Häufig werden im Umgang mit Ärger alte, frühere Erfahrungen aktiviert, manchmal fühlen wir uns dann weniger erwachsen als wir sind. Vergangene Situationen, in denen wir entweder gar nicht gehört wurden oder als Streitschlichterin in Auseinandersetzungen, die gar nicht die unseren waren, als „Zünglein an der Waage“ z.B. agiert haben, tauchen in uns auf und schieben sich vor unsere Linse. Der Blick wird getrübt durch Vorbelastungen.  Schließlich wird jeder noch so „neue“ Streit von Menschen initiiert, die selbst keine unbeschriebenen Blätter sind. Wir Alle stammen aus (Familien-) oder Betriebskulturen und sind hineingestellt in Zusammenhänge, die uns als Geschlechtszugehörige, biographisch, kulturell und gesellschaftlich prägen.

Wie passt Ärger in  „unser schönes Bild von uns selbst“?

Marie Mannschatz rät: „innerlich sollten wir unseren Ärger in keiner Weise zensieren oder unterdrücken, sondern ihn sehen und annehmen wie er ist. Ob und wie wir ihn zum Ausdruck bringen, muss in jeder Situation neu entschieden werden.“

Allein das ist schon eine Kunst, den eigenen Ärger nicht einfach wegzudrücken, sondern zu akzeptieren als ein Gefühl, das zu uns gehört, auch wenn es manchmal nicht in unser „schönes Bild von uns selbst“ hineinzupassen scheint.

Ärger und Konflikte bei der Arbeit – Statt Schuld suchen, fragen was hilft

Bei Ärger am Arbeitsplatz bewährt sich zunächst, diesen Ärger früh anzusprechen, bevor er anfängt zu schwelen und mehr oder weniger heimlich vor sich hin kocht. Schwelender Ärger in Teams beispielsweise, ist ein ausgesprochener Energiefresser und steht einer ehrlichen bzw. wertschätzenden Kommunikation häufig im Weg. Bestimmte Themen werden gemieden, bestimmte Personen lieber übergangen, die berühmten „Fässer besser nicht aufgemacht“ aber dieses Vermeidungsverhalten kostet Kraft und bringt Diffusion für alle Beteiligten. Es braucht allerdings zum Ansprechen und zur Klärung von Konflikten ein gewisses Maß an Raum und Zeit, Ruhe und innere Klarheit, geleitet von der Frage, was ist mein Gewinn aus einer Konfliktklärung? Was gewinnt der/die Andere? Was gewinnen wir Beide?

Zum Lösen von (Gefühls-)Knoten des Ärgers braucht es die ehrliche Bereitschaft beider Seiten

Der systemische Berater, Kurt Pelzer, hat ein eingängiges Modell aus dem berühmten Dschungelbuch entlang der 4 Hauptprotagonisten im Dschungel entwickelt: Shir Khan, der Tiger, der für offene Aggression steht; Baghira, der Panther, für Fairness und Loyalität; Kaa, die Schlange, für verdeckte Aggression und Verschlagenheit; Balu, der Bär, der für Genuss, Lebensfreude und Toleranz steht.

Wir können im Konfliktfall fragen: welches Tier wir im Anderen wie wecken können, durch unser Verhalten, unsere Gesten, unsere Reden? Oder auch, welches Tier die Anderen mit ihrem Verhalten darstellen und dadurch vielleicht ihrerseits den Konflikt anheizen? Und wir können uns fragen, welches Tier wir in unserem eigenen Innern im Konfliktfall nähren? In jedem Fall braucht die Klärung von Konflikten die Bereitschaft aktiv zu hören: was den/die Andere/en bewegt auf beiden Seiten! Bei genauerer Betrachtung eskalierender Konflikte, wird häufig deutlich, dass die Konfliktparteien nicht wirklich gemeinsam an der Deeskalation zu arbeiten bereit sind. Die Konfliktparteien wollen jeweils gerne glauben, sie selbst seien im Recht. Heimlich hoffen sie  Beide im Klärungsprozess auf das Bekannte „wasch mich aber mach mich nicht nass“. Es fällt ihnen schwer, schlicht ihren Anteil am Konflikt zu sehen.

Kernthema vieler Konflikte: Gerechtigkeit

Aber erst in der ehrlichen Innenschau und im gegenseitigen einander Wahrnehmen und die Gründe der/s Anderen sehen, kann Verstehen und Klärung von Konfliktstoffen entstehen. Erst dann kann schließlich auch  Verschiedenheit (an-)erkannt werden. Und schließlich auch Gerechtigkeit wiederhergestellt werden. Der –  beiderseitig empfundene – Mangel an Gerechtigkeit, so der Konfliktforscher Friedrich Glasl,  ist das Kernthema der meisten Konflikte.  

„Ungerechtigkeit“ ist der wiederkehrende Refrain vieler Konflikterzählungen. Gerechtigkeit, mindestens 80%, wieder herzustellen, ist das Kernanliegen von Konfliktklärung. Erst wenn dieses Anliegen, möglichst gerechte Lösungen gemeinsam zu schaffen, einen ehrlichen und real erlebbaren Resonanzraum findet, kann es dauerhafte und tragfähige  Lösungen und Kompromisse geben.

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